____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Luftpost
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Luftpost (historisch und in der Philatelie auch Flugpost) ist die Beförderung von Postsendungen per Luftfracht oder Brieftauben. Die Beförderung mittels Luftpost erfolgt zum Teil nur gegen eine Entrichtung erhöhter PostgebĂŒhren, die frĂŒher mitunter durch Freimachung mit besonderen Luftpostwertzeichen eingezogen wurden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Luftpostgeschichte sowie das systematische Sammeln von Luftpostwertzeichen und BelegstĂŒcken heiĂt Aerophilatelie.
Contents
âą Philatelie
âą Luftpostmarken
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Historische Entwicklung
Die AnfÀnge der Luftpost
Bereits im Altertum wurden Botschaften mittels Flugpost ĂŒberbracht, indem Brieftauben als Ăberbringer von Nachrichten eingesetzt wurden. Erstmals wurden Tauben im Alten Ăgypten zur NachrichtenĂŒberbringung eingesetzt. Dieser besonders schnellen Art der Ăberbringung von Botschaften wurde militĂ€rische, politische und auch wirtschaftliche Beachtung beigemessen. Im Jahre 1279 v. Chr. wurde die Kunde von der Krönung des Ă€gyptischen Pharaos Ramses II. durch vier freigelassene Tauben verbreitet.cite-ref-1[1] Brieftauben wurden auch von anderen Hochkulturen verwendet. Der römische Feldherr Julius Caesar bediente sich der besonderen FĂ€higkeiten der Brieftaube. Er lieĂ Nachrichten von Unruhen im eroberten Gallien durch eigene Botentauben ĂŒberbringen, um so schnell wie möglich seine Truppen befehligen zu können.
Auch im Mittelalter wurde die Brieftaube als NachrichtenĂŒberbringer eingesetzt. Der Kalif von Bagdad, Nur-Eddin, richtete seine eigene Brieftaubenpost ein. Sie wurde allerdings nach der Zerstörung Bagdads im Jahre 1258 durch die Mongolen wieder eingestellt. Auch Ă€gyptische Sultane richteten im Mittelalter eine eigene staatliche Taubenpost ein. Kreuzritter fĂŒhrten Brieftauben im 12. und 13. Jahrhundert aus dem Vorderen Orient erneut nach Europa ein.
Die ersten Flugmaschinen
Zur Zeit der Renaissance tauchten in Europa die ersten ernstzunehmenden EntwĂŒrfe von Flugmaschinen auf. Die bekanntesten stammen vom italienischen Universalgenie Leonardo da Vinci. Die ersten flugtauglichen Konstruktionen entstanden jedoch erst ĂŒber 250 Jahre spĂ€ter. Die BrĂŒder Montgolfier entdeckten durch einen Zufall, dass heiĂe Luft stark genug ist, um eine PapiertĂŒte in die Luft zu heben. Diese Entdeckung war die Grundlage der Entwicklung des ersten HeiĂluftballons, der MontgolfiĂšre. Am 21. November 1783 fand die erste Fahrt eines Menschen mit einem HeiĂluftballon statt.
Die Erfindung des HeiĂluftballons hatte groĂe Auswirkungen auf die Geschichte der Luftpost. Bereits ein Jahr nach der ersten bemannten Ballonfahrt nahmen die Piloten kleinere Nachrichten oder Mitteilungen auf ihre Fahrten mit. Jedoch kam es erst im Jahre 1793 zum eigentlichen Beginn der Ballonpostgeschichte. Aus den beiden belagerten Festungen Valenciennes und CondĂ© in Frankreich wurden mit kleinen Ballons Mitteilungen fĂŒr die VerbĂŒndeten der Eingeschlossenen aufgelassen. Diese Nachrichten wurden allerdings von den Feinden abgefangen. In den folgenden Jahrzehnten kam es zur weiteren Anwendungen von Ballons zur NachrichtenĂŒbermittlung im Krieg.
Das berĂŒhmteste Beispiel unter Philatelisten aller Welt ist die Pariser Ballonpost. Die Verbindung zwischen Paris und dem unbesetzten Frankreich wĂ€hrend des Deutsch-Französischen Krieges in den Jahren 1870 und 1871 konnte nur durch ein geschicktes Zusammenspiel zwischen Ballonpost und Brieftauben aufrechterhalten werden. Man gab den Ballonen aus Paris neben 2.500.000 Briefen und Postkarten insgesamt 363 Brieftauben mit, damit diese spĂ€ter mit Antworten oder anderen Nachrichten zurĂŒckkehren konnten. In Metz kam es ebenfalls wĂ€hrend des Deutsch-Französischen Krieges zu Ă€hnlichen Versuchen, mit Ballonen VerbĂŒndeten Nachrichten zukommen zu lassen (vergleiche Metzer Ballonpost).
Der erste amtliche Ballonpostflug fand am 17. Juli 1859 in den USA statt. Dieser fĂŒhrte von St. Louis in das 1290 km entfernte Henderson in New York. Der Pilot John Wise hatte 123 Briefe an Bord. Nur einer dieser posthistorischen Belege ist erhalten geblieben. In Deutschland fand der erste amtliche Ballonpostflug im Rahmen der Leipziger Gewerbeausstellung im Juni 1897 statt. Der Pilot Louis Godard ĂŒbergab die beförderten Postkarten nach der Landung der Reichspost zur Weiterbeförderung. Die Karten erhielten private BestĂ€tigungsstempel.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fanden solche Luftpostbeförderungen immer im Rahmen von besonderen Veranstaltungen oder aus militĂ€rischen GrĂŒnden statt. Der deutsche Generalpostmeister Heinrich von Stephan wies jedoch in einem vielbeachteten Vortrag auf die mögliche Bedeutung der Luftpost fĂŒr die alltĂ€gliche Postbeförderung im Jahre 1874 hin. Dieser Vortrag erschien sogar als Buch unter dem Titel âWeltpost und Luftschifffahrtâ.
reichspostflug
Die Erfindung des Flugzeugs
Nichts hatte gröĂere Auswirkungen auf die Geschichte der Luftpost als die Erfindung des Flugzeugs. Nach den ersten Flugversuchen Otto Lilienthals mit seinem Derwitzer Gleiter im FrĂŒhjahr 1891 fand am 17. Dezember 1903 der erste motorisierte Flug der Welt (BrĂŒder Wright) statt. FĂŒnf Jahre spĂ€ter kam es zu der ersten Beförderung von Postsendungen durch Flugzeuge: Am 12. August 1909 wurden im Rahmen einer Flugausstellung Sonderstempel fĂŒr einen Rundflug ĂŒber Mailand ausgegeben. Einen Monat spĂ€ter, am 20. September 1909, wurden anlĂ€sslich eines Rundflugs ĂŒber die italienische Stadt Brescia mitgeflogene Belege mit einem Ă€hnlichen Sonderstempel versehen. Bei diesen beiden Veranstaltungen wurden die Postsendungen jedoch nicht weiterbefördert.
Der erste offizielle Postbeförderungsflugcite-ref-2[2] zwischen zwei Orten fand am 18. Februar 1911 wĂ€hrend einer Kunst- und Gewerbeausstellung in Indien statt. Der junge französische Pilot Henri Pequet transportierte etwa 6500 Briefe vom Ausstellungsort Allahabad in das etwa acht Kilometer entfernte Naini. Henri Pequet benötigte fĂŒr diese Strecke mit seinem Doppeldecker Sommer ungefĂ€hr 13 Minuten. Die mitgeflogenen Belege wurden mit dem BestĂ€tigungsstempel First Aerial Post, U. P. Exhibition Allahabad 1911 versehen.
In England wurde der erste regelmĂ€Ăige Luftpostdienst am 9. September 1911 zwischen Hendon und Windsor aufgenommen.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]cite-ref-nzstamps-6-0[6] Dies war Teil der Feierlichkeiten anlĂ€sslich der Krönung von Georg V., die im Juni stattgefunden hatte.cite-ref-nzstamps-6-1[6] UrsprĂŒnglich sollte diese Luftpostlinie nur eine Woche lang betrieben werden, die Aktion wurde dann jedoch wegen der groĂen Nachfrage bis zum 26. September verlĂ€ngert.cite-ref-nzstamps-6-2[6] Insgesamt flogen drei Piloten (ein vierter war bereits bei seinem ersten Flug abgestĂŒrzt und verletzt worden) bei 16 FlĂŒgen 37 Postbeutel mit einem Gesamtgewicht von 926 lb. nach Windsor. In der Gegenrichtung wurden bei vier FlĂŒgen vier Beutel mit zusammen 89œ lb. befördert.cite-ref-jennings-7-0[7] Sowohl den ersten als auch den letzten Flug unternahm Gustav Hamel mit einer BlĂ©riot XI.cite-ref-jennings-7-1[7]
Ein Jahr spĂ€ter, am 19. Mai 1912, fand der erste offizielle Postflug der Deutschen Reichspost zwischen Mannheim und Heidelberg statt (allerdings wurde die meiste Post nicht, wie vorgesehen, mit dem Luftschiff, sondern auf dem herkömmlichen Wege befördert). Mit Genehmigung des Reichs-Postamtes vom 1. Juni 1912 wurde dann vom 10. bis 23. Juni 1912 im Rahmen einer WohltĂ€tigkeitsveranstaltung eine Luftpostbeförderung mit Zeppelin und Flugzeug und halbamtlichen Flugpostmarken, der sogenannten Flugpost am Rhein und am Main genehmigt. Zuvor gab es in Deutschland bereits mehrere private Postbeförderungen mit Flugzeugen ohne Genehmigung der Post. Die erste Veranstaltung dieser Art wurde am 13. November 1911 in Berlin durchgefĂŒhrt.
Bei der Veranstaltung Flug um Berlin wurden Postkarten fĂŒr Sammler auf den Flug mitgenommen. Die zweite Veranstaltung dieser Art war ein Flug ĂŒber acht Kilometer zwischen den Orten Bork und BrĂŒck.cite-ref-8[8] Bei dieser Flugveranstaltung wurden erstmals Flugmarken ausgegeben. Sie dienten ausschlieĂlich zur Finanzierung der Veranstaltung und hatten keinen postalischen Wert. Der Initiator der Aktion waren der Berliner Zahnarzt und Vorsitzende des Verkehrsvereins Borkheide Kurt Schaefer und sein Freund Hans Grade, der als Unternehmer die ersten Flugzeuge zu dieser Zeit produzierte. So startete am 18. Februar 1912 ein Grade-Flugzeug und bewerkstelligte damit die erste Flugpostbeförderung mit Flugmarken in Deutschland von Bork nach BrĂŒck. In Aleksandar Lifkas Kinematographischem Bericht der Ereignisse der letzten Woche wurde ĂŒber diese Luftpostbeförderung unter dem Titel Die erste deutsche Luftpost zwischen Bork und BrĂŒck berichtet; der Film wurde auch in österreichischen Kinos aufgefĂŒhrt.cite-ref-9[9]
Der Schweizer Flugpionier Oskar Bider transportierte am 9. MĂ€rz 1913 die erste schweizerische Luftpost auf der Strecke BaselâLiestal.
In den folgenden Jahren gab es bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine intensive Zusammenarbeit der Reichspost mit den Veranstaltern der PostflĂŒge (siehe zum Beispiel Flugpost am Rhein und am Main). In anderen LĂ€ndern wurde jedoch selbst wĂ€hrend des Krieges am Aufbau eines zivilen Luftpostnetzwerkes gearbeitet. In Italien wurden 1917 die ersten Flugpostmarken der Welt ausgegeben. Diese wurden zur Bezahlung der PostgebĂŒhren fĂŒr die Beförderung per Luftpost auf den Strecken TurinâRom und RomâPalermo verwendet. Dabei handelte es sich noch um einen Probebetrieb. In Ăsterreich wurde am 31. MĂ€rz 1918 die erste regelmĂ€Ăige Flugpostlinie zwischen Wien, Krakau, Lemberg und Kiew eingerichtet. DafĂŒr wurden ebenfalls eigene Flugpostmarken ausgegeben. Diese regelmĂ€Ăige Postbeförderung durch Flugzeuge wird von vielen Philatelisten als eigentlicher Beginn der Flugpostgeschichte angesehen. Aber auch wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurde versucht eine MilitĂ€rflugpost aufzubauen, die das Ziel verfolgte eingeschlossene Soldaten mit Informationen aus der Heimat zu versorgen. So kann man als erste MilitĂ€rflugpost den Flug von österreichisch-ungarischen Fliegern zu den Soldaten in das durch die Russen umschlossene PrzemyĆl im Oktober 1914 bezeichnen.cite-ref-10[10]
Die ersten regelmĂ€Ăigen staatlichen Flugpostverbindungen unter deutscher Regie wurden gegen Ende des Ersten Weltkrieges an der Ostfront in Russland und im Baltikum eingerichtet. Die Geschichte der zivilen Luftpost in Deutschland begann am 6. Februar 1919. Der Anlass war die Eröffnung der Konstituierung der Nationalversammlung in Weimar. Von diesem Tag an starteten zweimal tĂ€glich Flugzeuge der Deutschen Luft-Reederei in Berlin-Johannisthal, um Postsendungen â vor allem Zeitungen â von der Hauptstadt zum Tagungsort in Weimar zu transportieren. Diese Flugpostverbindung konnte vorerst ausschlieĂlich von den Abgeordneten der Nationalversammlung in Anspruch genommen werden, die wegen der revolutionĂ€ren Lage in Berlin in die damalige thĂŒringische Hauptstadt ausgewichen war. Wenige Monate spĂ€ter wurde diese Flugpostlinie auch fĂŒr die Ăffentlichkeit freigegeben.
Im MĂ€rz 1919 richteten dann die Junkers-Flugzeugwerke in Dessau den regelmĂ€Ăigen Flugdienst nach Weimar ein. Im gleichen Jahr wurde auch in Bayern regelmĂ€Ăige PostflĂŒge eingerichtet.
In den folgenden Jahren fand ein rascher Ausbau des Flugpostverbindungen in Deutschland wie auch in ganz Westeuropa und den USA statt. Am 11. August 1920 wurden die ersten FlugpostflĂŒge von Deutschland ins Ausland durchgefĂŒhrt. Das angeflogene Ziel war die schwedische Hafenstadt Malmö.
Ab dem Jahr 1921 fĂŒhrte die Deutsche Reichspost besondere FlugpostbestĂ€tigungsstempel und Flugpostklebezettel ein. Im Jahre 1922 bestanden bereits 13 verschiedene Luftpostlinien. Im Mai 1923 wurden in Berlin die ersten LuftpostbriefkĂ€sten Deutschlands aufgestellt. Diese besonderen, blau lackierten BriefkĂ€sten dienten nur zum Einwurf von Luftpostsendungen und sollten eine schnellere Bearbeitung und Weiterleitung der Luftpostsendungen ermöglichen. 1924 fand die erste Nachtflugpost zwischen Berlin, Kopenhagen und Stockholm statt.
Am 6. Januar 1926 kam es zur GrĂŒndung der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft (seit 1934 Deutsche Lufthansa). Bis dahin waren die Aero Hansa AG, die Deutsche Aero Lloyd AG und die Junkers Luftverkehr AG fĂŒr die Luftpostbeförderung verantwortlich gewesen. Da jedoch Reich, LĂ€nder und Kommunen den Unternehmen, die sich einen ruinösen Wettbewerb lieferten, die Subventionen zu streichen drohten, schlossen sie sich unter dem Druck der Banken und des Staates zu der neuen Fluggesellschaft zusammen. Die Luft Hansa musste sich verpflichten, bei jedem Flug genĂŒgend Platz fĂŒr den Transport von Postsendungen freizuhalten. Der stetige Ausbau des weltweiten Flugnetzes und die stĂ€ndigen Weiterentwicklungen bei Flugzeugen fĂŒhrten zu einem stĂŒrmischen Ausbau der Luftpost. Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde bereits ein GroĂteil der Auslandssendungen durch Flugzeuge befördert. Dennoch war die Luftpostbeförderung ĂŒber weite Entfernungen, bedingt durch die vergleichsweise geringe Reichweite der Flugzeuge, extrem aufwendig. So wurde beispielsweise die Post von und nach SĂŒdamerika in mehreren Etappen ĂŒber Bathurst (Gambia) und Natal (Brasilien) transportiert. Die AtlantikĂŒberquerung zwischen Westafrika und Brasilien erfolge mit einem Flugboot und einer Zwischenlandung auf dem Atlantik an einem FlugstĂŒtzpunktschiff. Der Zwischenstopp war nötig um die Flugzeuge zu warten und aufzutanken, teilweise auch auszutauschen.
Zu den berĂŒhmtesten Flugpostpiloten der damaligen Zeit gehört Antoine de Saint-ExupĂ©ry.
Luftschiffe fĂŒr den Posttransport
Neben Flugzeugen wurden auch Luftschiffe fĂŒr den Posttransport eingesetzt.
Der Zweite Weltkrieg und das vorlÀufige Ende der Deutschen Luftpost
WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges wurde die Luftfeldpost zu einer der wichtigsten Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Front und Heimat. In fast allen beteiligten LĂ€ndern wurde das Luftpostnetz entscheidend ausgebaut und die Luftpost weiterentwickelt. Im Deutschen Reich war die Beförderung von Briefen durch die Luftfeldpost vor allem fĂŒr weit von der Heimat entfernte Fronten gedacht. Zwischen dem 17. April und dem 9. Mai 1942 wurde in BiaĆa Podlaska bei Brest-Litowsk der erste Ausgangspunkt fĂŒr die deutsche Flugfeldpost eingerichtet. Die angeflogenen Ziele richteten sich nach dem jeweiligen Frontverlauf. Als Transportflugzeug wurde meist die Junkers Ju 52 eingesetzt. Im Mai 1944 wurde der Ausgangspunkt nach Litzmannstadt (ĆĂłdĆș) verschoben. Wenige Monate spĂ€ter, am 6. Juli 1944, wurde der deutsche Luftfeldpostdienst ganz eingestellt. Die Westalliierten waren in der Normandie und in SĂŒdfrankreich gelandet; die Wehrmacht war an allen Fronten auf dem RĂŒckzug. Das Deutsche Reich gab ab dem 18. April 1942 eigene Zulassungsmarken fĂŒr Luftfeldpostbriefe heraus. Jeder deutsche Soldat erhielt pro Monat vier solcher Briefmarken, nach einer Portoerhöhung im Mai 1943 acht Zulassungsmarken. Damit konnte er insgesamt vier Briefe oder Postkarten in die Heimat freimachen. Die Briefmarken wurden an Soldaten an Frontabschnitten im Osten, auf dem Balkan und in Skandinavien ausgegeben, sofern diese mit dem Luftfeldpostnetz in Verbindung standen. Neben dem Deutschen Reich gaben auch andere LĂ€nder wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs eigene Luftfeldpostmarken heraus. Das verbĂŒndete Italien gab im Juni 1943 sogar eigene Luftfeldpost-Eilmarken heraus.
Die Westalliierten besaĂen ein Ă€hnlich stark ausgeprĂ€gtes Luftfeldpostnetz wie das Deutsche Reich. Die alliierten Airgraph-Dienste (V-Mail) der britischen und amerikanischen StreitkrĂ€fte bestanden wĂ€hrend der Kriegsjahre 1941 bis 1945. Am 21. April 1941 wurde die erste Feldpostlinie von Kairo nach London vom Airgraph-Dienst eröffnet. Die Soldaten schrieben die zu verschickenden Nachrichten auf spezielle Formulare, die anschlieĂend mikrofotografisch auf Schmalfilm festgehalten wurden. Nach der Ankunft der Schmalfilme in der Heimat wurden die einzelnen Nachrichten vergröĂert an die EmpfĂ€nger zugestellt. Aus dem militĂ€rischen Prinzip einer möglichst gewichtssparenden NachrichtenĂŒbermittlung via Flugzeug entstand spĂ€ter das zivile Aerogramm.
Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 wurde der Luftpostverkehr in den nun besetzten deutschsprachigen Gebieten Ăsterreich und Deutschland von auslĂ€ndischen Unternehmen ĂŒbernommen. In Ăsterreich bestand bereits zwei Jahre nach Kriegsende wieder ein regelmĂ€Ăiger Luftpostdienst; in Deutschland konnten erst ab 20. Oktober 1948 alle Einwohner der Bundesrepublik Luftpostsendungen aufgeben. Im Jahre 1954 kam es in der Bundesrepublik zu einer NeugrĂŒndung der Deutschen Lufthansa, die nach Kriegsende ihren Flugbetrieb eingestellt hatte. Ab 1. April 1955 gab es wieder erste regelmĂ€Ăige deutsche LuftpostflĂŒge. Kurze Zeit spĂ€ter, am 17. Mai 1955, wurden wieder internationale Ziele postalisch durch die westdeutsche Lufthansa miteinander verbunden. In der DDR gab es ebenfalls eine Luftverkehrsgesellschaft namens Lufthansa, die ebenso fĂŒr die Luftpost verantwortlich war.
Die LuftbrĂŒcke nach Berlin
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Luftpost bildet die LuftbrĂŒcke nach Berlin. Hier konnte die Luftpost zum ersten Mal durch keine andere Postbeförderungsart unterstĂŒtzt oder ersetzt werden. Die LuftbrĂŒcke nach Berlin wurde von den West-Alliierten mit Flugzeugen errichtet, um die gröĂte deutsche Stadt mit lebensnotwendigen GĂŒtern zu versorgen. Dies konnte nur noch auf dem Luftweg geschehen, da die Sowjetische Besatzungsmacht ab 24. Juni 1948 eine vollstĂ€ndige Blockade West-Berlins errichtete.
Obwohl die LuftbrĂŒcke eigentlich zunĂ€chst nur fĂŒr den Transport der lebensnotwendigsten GĂŒter vorgesehen war, beförderte man bald auch Post in beide Richtungen. HierfĂŒr wurden keinerlei zusĂ€tzliche GebĂŒhren durch die Alliierten verlangt. Die West-Berliner Post verwendete fĂŒr diese besonderen Postsendungen zwei eigens geschaffene Poststempel. Diese Maschinenstempel trugen die Inschrift LuftbrĂŒcke Berlin beziehungsweise Kauft vom Blockierten Berlin. Neben diesen beiden amtlichen Poststempeln waren jedoch noch zahlreiche private BestĂ€tigungsstempel in Verwendung.
Nach fast einjĂ€hrigem Bestehen der Berliner LuftbrĂŒcke musste die Sowjetunion schlieĂlich einsehen, dass diese die Versorgung Berlins garantierte und unbegrenzt weitergefĂŒhrt werden konnte. Sie entschlossen sich daher, die Blockade West-Berlins am 12. Mai 1949 um 0.01 Uhr wieder aufzuheben.
Die moderne Luftpost und der Einfluss der Philatelie
Zur Zeit der ersten PostflĂŒge von Flugzeugen waren zahlreiche Absender dazu bereit, eine hohe LuftpostbeförderungsgebĂŒhren zu zahlen, um spezielle Briefe schnell zustellen zu lassen.
Mit der Zeit verlor das Flugzeug seinen besonderen Status und wurde schlieĂlich zu etwas AlltĂ€glichem. In den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern muss schon lange keine zusĂ€tzliche LuftpostgebĂŒhr mehr entrichtet werden. In den Vereinigten Staaten gibt es jedoch durchaus noch solche GebĂŒhren. Dies rĂŒhrt daher, dass in den USA ein starker Konkurrenzkampf zwischen privaten Kurierdiensten wie FedEx und UPS und der staatlichen Post âUnited States Postal Serviceâ herrscht. Deshalb sind diese Unternehmen stets darauf bedacht, ihre Leistungen preisgĂŒnstig anzubieten. Die Postbeförderung auf dem Landweg (LKW oder Bahn) ist preisgĂŒnstiger als die per Flugzeug.
Besonders groĂe Bedeutung hat Luftpost in Regionen der Welt, die â abgesehen vom Flugzeug â nur schwer zugĂ€nglich sind. Stellvertretend hierfĂŒr sei Australien, im Speziellen die Gebiete im Zentrum des Kontinents abseits der groĂen Ballungsgebiete an den KĂŒsten, genannt.
Die Bedeutung der Luftpost ist in LĂ€ndern ohne Bahn- und Schiffspost ungleich höher als in Mitteleuropa, da dort keine wirkliche Alternative zur Luftpost existiert. Dies betrifft vor allem Paketsendungen, da reine NachrichtenĂŒbertragungen heutzutage nicht mehr auf den Postweg angewiesen sind.
Luftpost wird heute fast ausschlieĂlich mit Flugzeugen durchgefĂŒhrt. Andere Luftpostbeförderungsarten haben meist philatelistische HintergrĂŒnde und keine postalische Bedeutung. Zu diesen Beförderungsarten ist vorneweg die âRaketenpostâ zu nennen. Obwohl durchaus ernste Versuche von einzelnen Postwesen mit einer Postbeförderung durch Raketen gemacht wurden, findet diese meist auf private Initiative statt und hat keinerlei postalischen Sinn. Die erste Raketenpost fand bereits 1931 durch den Ăsterreicher Friedrich Schmiedl statt. Neben der Raketenpost gibt es auĂerdem Ballonpost, Zeppelinpost, Helikopterpost und Ă€hnliche Luftpostbeförderungsarten, die eigens fĂŒr Philatelisten durchgefĂŒhrt werden.
Die europĂ€ische Luftpost unterliegt derzeit dem Wandel der europĂ€ischen Liberalisierung. FrĂŒher wurde ein Luftpost-Brief von der staatlichen Fluggesellschaft fĂŒr die staatliche, mit Postmonopol gesicherte Postgesellschaft transportiert. Die staatlichen Luftfahrtgesellschaften unterliegen im europĂ€ischen Raum mehr und mehr dem Sparzwang aufgrund der von Billigfluggesellschaften gestarteten Preisoffensiven. In der Konsequenz werden kleinere Flugzeuge eingesetzt, die nicht mehr so viel Fracht transportieren können wie erforderlich.
Mit dem Wegfall der Monopole auf den Transport von Briefen sehen sich die ehemals staatlichen Postgesellschaften auch im Wettbewerb und entwickeln ein immer gröĂeres Interesse an gewinnorientiertem Arbeiten.
Der Wettbewerb der Luftfahrtgesellschaften und der Wettbewerb der Postgesellschaften hat dazu gefĂŒhrt, dass Briefe nur noch begrenzt mit dem Flugzeug transportiert werden. Mehr und mehr werden die je nach Land Luftpost-, Priority- oder A-Post genannten Briefe auf dem Landweg mit Transportern zwischen den europĂ€ischen LĂ€ndern bewegt.
Andererseits wird die Luftpost wegen des Anteils an Luftverschmutzung und Klimawandel kritisiert. Deshalb werden seit 2024 innerhalb Deutschlands keine Postsendungen mehr mit Luftpost befördert.cite-ref-11[11]
Philatelie
Sendungsformen der Luftpost
Gewöhnliche Postsendungen
Einen Unterschied zwischen Luftpostsendungen und gewöhnlichen Postsendungen gibt es streng genommen nicht. Bei einer Luftpostsendung handelt es sich ebenso um einen Brief, eine Postkarte oder ein Paket wie bei einer normalen Postsendung, nur dass diese eben einen Teil der Beförderungsstrecke in der Luft zurĂŒckgelegt haben und einen entsprechenden Nachweis erhalten. FrĂŒher wurden Luftpostsendungen mit den Worten âMit Flugpostâ oder durch einen speziellen Aufkleber, der diese Aufschrift trĂ€gt, angewiesen. Ăblicherweise war fĂŒr Luftpostbeförderung auch Extra-Porto fĂ€llig. Seit der Errichtung des Nachtluftpostnetzes legt ein bedeutender Anteil des gesamten Postaufkommens einen Teil seiner Beförderungsstrecke im Flugzeug zurĂŒck, erhĂ€lt jedoch keinen speziellen FlugbestĂ€tigungsvermerk. Durch den Wegfall der LuftpostgebĂŒhren kann der Absender ohnehin nur noch scheinbar einen Einfluss auf die Art der Postbeförderung nehmen.
Flugpostbelege sind das HerzstĂŒck jeder aerophilatelistisch orientierten Sammlung. Der Sammler achtet bei diesen Belegen auf eine Vielzahl von Besonderheiten. Hierzu zĂ€hlen unter anderem die verwendeten Briefmarken sowie die Stempel auf der Postsendung. Weiter achtet der Sammler darauf, ob es sich um einen besonderen Flug, beispielsweise um einen Eröffnungsflug, handelt. Besondere âLeckerbissenâ sind Postsendungen aus verunglĂŒckten Flugzeugen, die gerettet werden konnten. Diese werden meist mit eigenen Stempeln versehen.
Spezielle Postsendungen
Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Reihe von Postsendungsarten, die speziell fĂŒr die Luftpost hergestellt werden. Den Beginn in dieser Reihe machen die Ballonbriefe aus der Zeit der Pariser Ballonpost. Besonders wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zeigten sich die Vorteile einheitlicher Luftpostsendungen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte sich schlieĂlich das Aerogramm, das heute vergleichsweise nur noch selten benutzt wird. In GroĂbritannien erscheinen jedoch jĂ€hrlich eigens gestaltete Weihnachtsaerogramme.
Luftpostmarken
Amtliche Luftpostmarken
Amtliche Luftpostmarken wurden weltweit das erste Mal im Jahre 1917 in Italien ausgegeben. Sie können ausschlieĂlich zur Freimachung von Luftpostsendungen verwendet werden und weisen aufgrund des teureren Luftpostportos höhere Nominale als gewöhnliche Freimarken auf. Damit wollten die einzelnen Postwesen der Welt der anfĂ€nglichen Besonderheit dieser Postbeförderung Rechnung tragen. Heutzutage haben die meisten LĂ€nder die Ausgabe von Luftpostmarken wieder eingestellt, an ihre Stelle sind gewöhnliche Freimarken getreten. Manche LĂ€nder geben jedoch noch weiter eigene Luftpostmarken aus, um mit dem Verkauf an Sammler ihre Einnahmen zu steigern.
Luftpostmarken sind ein fester Bestandteil jeder aerophilatelistischen Sammlung. Die unter Sammlern berĂŒhmteste Luftpostmarke ist auch vielen Nicht-Philatelisten ein Begriff. Es handelt sich hierbei um den US-amerikanischen Briefmarkenfehldruck âInverted Jennyâ aus dem Jahre 1918. Dieser seltene Fehldruck unterscheidet sich von der Originalmarke dadurch, dass das Flugzeug, eine Curtiss Jenny, im Zentrum des Briefmarkenmotivs verkehrt herum gedruckt wurde. Bislang sind nur 100 Exemplare dieser philatelistischen RaritĂ€t bekannt geworden. Die Inverted Jenny ist die Krönung jeder aerophilatelistischen Sammlung.
Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche verschiedene Formen von amtlichen Luftpostmarken. Der mittelamerikanische Staat Guatemala gab beispielsweise Luftpost-Auslandsmarken, die nur fĂŒr in das Ausland gerichtete Sendungen verwendet werden konnten und analog hierzu Luftpost-Inlandsmarken heraus. Russland verausgabte eigene Luftpost-Dienstmarken, die fĂŒr die Bezahlung von Luftpostsendungen des russischen Konsulates dienten.
Flugmarken
Flugmarken wurden im Gegensatz zu Luftpostmarken stets von privater Seite verausgabt. Es handelt sich dabei um markenĂ€hnliche Vignetten, die es bereits vor den ersten Flugpostmarken gab. Sie dienten zur Finanzierung von Flugveranstaltungen, in deren Rahmen eine Flugpostbeförderung stattfand. Dazu musste eine Flugmarke vom Veranstalter gekauft und auf die zu befördernde Sendung geklebt werden. WĂŒnschte der Adressat eine Weiterbeförderung nach der Landung des Flugzeuges, musste die Postsendung zusĂ€tzlich mit Freimarken frankiert werden.
Solche Vignetten erschienen beispielsweise zur Anfangszeit der Flugpost in Deutschland und in der Schweiz. Nachdem die PopularitĂ€t des Flugzeuges nach einiger Zeit wieder sank, schwand auch die Anzahl solcher Flugveranstaltungen. Im Jahre 1933 wurde in Deutschland schlieĂlich die letzte Flugmarke ausgegeben.
Flugmarken werden nicht von allen Aerophilatelisten in ihre Sammlung aufgenommen, da diese Briefmarken nie eine postalische Bedeutung hatten. Da sie jedoch von der Post meist genehmigt wurden, sprechen andere Sammler von halbamtlichen Flugmarken und machen diese zu einem festen Bestandteil ihrer Sammlung.
Flugpost-Zulassungsmarke
Im Jahr 1948 gab die Joint Export Import Agency fĂŒr die Bizone eine Flugpost-Zulassungsmarke heraus, um das Luftpostaufkommen in der Bizone zu regulieren. Diese Marke wurde in festgelegten StĂŒckzahlen kostenlos an international tĂ€tige Firmen abgegeben und musste mit dem Porto auf Luftbriefe geklebt werden. Ohne diese Zusatzmarke erfolgte keine Beförderung als Luftpost.
Marken mit Ă€hnlicher Funktion gab es im Zweiten Weltkrieg fĂŒr deutsche Truppen, um das Aufkommen an Luftpost zu reduzieren. Pro Monat erhielten beispielsweise Soldaten auf den ĂgĂ€isinseln 1944/45 acht Exemplare, von denen meist die HĂ€lfte ungebraucht an die Heimat gesandt wurden, damit Luftpostbriefe von dort auch an die Front gesendet werden konnten.
Luftpostklebezettel
Bei Luftpostklebezetteln handelt es sich nicht um Briefmarken. Sie weisen zwar durch ihre ZĂ€hnung, ihre Form und ihre Gummierung das Ă€uĂere Erscheinungsbild einer Briefmarke auf, haben jedoch keinen postalischen Wert. Die aufklebbaren Zettel werden von der Post gratis abgegeben und dienen ausschlieĂlich zur Kennzeichnung von durch Luftpost zu befördernde Sendungen. Luftpostklebezettel sind meist in blauer Farbe gehalten und besitzen neben ihrer Inschrift âMit Flugpostâ kein Motiv. Diese Inschrift ist neben der Landessprache meist noch auf Französisch, seltener auf Englisch angegeben. Dies rĂŒhrt daher, dass vom 1874 gegrĂŒndeten Weltpostverein âUPUâ Französisch als Weltpostsprache gewĂ€hlt wurde. Das bedeutet, dass jede Postsendung, die auf Französisch adressiert war, theoretisch weltweit ohne Probleme zugestellt werden sollte. Daher erklĂ€rt sich auch der Zusatz âPrioritaireâ, der die Vorrangigkeit der Sendung anzeigt.
Bei Luftpostklebezettel muss es sich jedoch nicht zwangslÀufig um aufklebbare Zettel im Briefmarkenformat handeln. Bei Aerogrammen und anderen speziellen LuftpostumschlÀgen sind diese bereits eingedruckt. Sendungen ohne Luftpostklebezettel werden jedoch in der Regel genauso durch Luftpost transportiert wie Sendungen mit solchen Vignetten. Trotzdem haben sie sich, im Gegensatz zu den anderen Luftpostmarkenarten, bis heute gehalten.
Luftpostklebezettel mĂŒssen nicht zwingend in einer Luftpostsammlung vorhanden sein. Sie gelten mehr als ein Randgebiet der Philatelie, dem nur von wenigen Sammlern Beachtung geschenkt wird.
Luftpoststempel in der Philatelie
Amtliche Luftpoststempel
Bei amtlichen Luftpoststempeln handelt es sich um gewöhnliche Poststempel der Post. Sie werden jedoch ausschlieĂlich fĂŒr die Entwertung von Luftpostsendungen verwendet. Der einzige Unterschied zu Ortstempeln besteht in der Inschrift der Luftpoststempel. Diese weist fĂŒr gewöhnlich einen Hinweis auf die besondere Beförderung des Beleges auf. Die Inschrift bei einem Luftpoststempel lautet beispielsweise * Wien * / 30. 3. 1929 / (Flugpost).
Heutzutage werden Luftpoststempel kaum noch von der Post verwendet. Sie wurden meist aus GrĂŒnden der einfacheren Handhabung abgeschafft. Eine besondere Kennzeichnung ist heutzutage auch nicht mehr notwendig, da diese Beförderungsart bei weiteren Entfernungen so gut wie immer verwendet wird.
BestÀtigungsstempel
Bei BestÀtigungsstempeln handelt es sich in Gegensatz zu Luftpoststempel nur selten um postamtliche Stempel. Sie werden meist auf private Initiative hergestellt. Die BestÀtigungsstempel sollen einen zusÀtzlichen Nachweis erbringen, dass ein Brief auf eine bestimmte Art befördert wurde. Dazu wird der BestÀtigungsstempel auf die Postsendung, jedoch niemals auf eine Briefmarke abgeschlagen. Der erste BestÀtigungsstempel dieser Art stammte vom 18. Februar 1911 anlÀsslich der ersten offiziellen Postbeförderung zwischen zwei verschiedenen Orten in Indien.
Zu Beginn der Luftpost durch das Flugzeug wurden BestĂ€tigungsstempel hĂ€ufig und gerne verwendet. Besonders die BestĂ€tigungsstempel der Zeppelinpost waren und sind bei Philatelisten sehr beliebt. Heutzutage verwendet man BestĂ€tigungsstempel nur noch bei besonderen Luftpostbeförderungen, wie HelikopterflĂŒge, die meist in einer philatelistischen Rahmenveranstaltung stattfinden.
Ausfallsstempel
Eine besondere Art der Luftpoststempel ist der Ausfallsstempel. Dieser wird immer dann verwendet, wenn ein bestimmter Flug ausfĂ€llt oder verschoben wird. Heutzutage kann meist ein Ersatzflug gefunden werden. Bei bestimmten FlĂŒgen, beispielsweise bei angekĂŒndigten EröffnungsflĂŒgen, muss dies allerdings trotzdem mit einem Ausfallsstempel auf der Postsendung vermerkt werden. Bei diesem Ausfallsstempel handelt es sich meist um einen Gummistempel, der kurzerhand hergestellt werden musste.
Ausfallsstempel stellen keine groĂe philatelistische Besonderheit dar, da immer die gesamten Postsendungen eines ausgefallenen Fluges betroffen sind. Dies bedeutet, dass beispielsweise ein Beleg eines ausgefallenen Erstfluges nur mit einem Ausfallsstempel existieren kann.
Katastrophenstempel
Bei den seltensten und philatelistisch beliebtesten Luftpoststempeln handelt es sich um die Katastrophenstempel. Diese kommen immer dann zum Einsatz, wenn Postsendungen nach dem Absturz eines Flugzeuges oder Zeppelins gerettet werden können. Solche Postsendungen werden in der Regel mit einem improvisierten Gummistempel versehen, der Auskunft ĂŒber GrĂŒnde der meist vorhandenen Blessuren der Postsendungen gibt.
Da solche Belege naturgemÀà nur sehr selten vorkommen, erzielen sie bei Briefmarkenauktionen oft erhebliche Preise.
Siehe auch
âą Postflugzeug
âą Nachtluftpost in Deutschland
âą Short Mayo Composite, TrĂ€gerflugzeug als Starthilfe fĂŒr Postflugzeug
Literatur
Zur Luftpost allgemein
⹠Burkhard Fiebig, Annegret Holtmann (Hgg.): 100 Jahre Postflug. Der erste amtliche Postflug 1912. Hg. im Auftrag des Fördervereins August-Euler-Luftfahrtmuseum, Darmstadt 2012.
⹠Robert Paganini: Geschichte der Luftpost. Historischer Katalog sÀmtlicher Luftposten. Verlag von Edmund Stein, Potsdam 1920.
âą Jochen Stenzke: Michel Zeppelin- und Flugpost-Spezial-Katalog 2002. Schwaneberger Verlag, UnterschleiĂheim 2002, ISBN 3-87858-536-5.
Zur historischen Ballonpost
âą GĂŒnther Heyd: Paris par Moulins (Die Ballons von Paris) 1870/71. Verlag von Edgar Mohrmann, Hamburg 1973.
⹠Wilhelm Hofinger: Die Àlteste Luftpost der Welt. Historische Studie nach Originaldokumenten der Pariser Ballonpost 1870/71. Johannes Scheer, Stockach 1976.
Weblinks
Commons
: Luftpost
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Luftpost
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą AusgewĂ€hlte StĂŒcke der Flugpost-Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation
âą Vom Gleiter zum Jumbo â Die Geschichte der deutschen Luftpost
âą WerbebroschĂŒren fĂŒr die Luftpost aus den 1920er und 1930er
âą Beitrag ĂŒber die Internationale Flugpostausstellung (IFA) Wien 1968 auf Austria-Forum
âą Dokumente zur Geschichte der Luftpost in der Schweiz, ca. 1913â1973, PTT-Archiv, auf dem Onlineportal PTT-Archiv & Sammlungen Museum fĂŒr Kommunikation.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Lothar Störck: Stichwort Taube. In: Lexikon der Ăgyptologie. Band VI, Spalte 240â241.
cite-note-44. â Eröffnung der englischen Luftpost. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des (â)Neuen Wiener Tagblatt(â) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse â Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, 10. September 1911, S. 450 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg
cite-note-55. â British Civil Aviation in 1911 auf der Website des Royal Air Force Museum, abgerufen am 16. November 2025
cite-note-nzstamps-66. â Coronation Aerial Post to New Zealand, 1911 auf www.nzstamps.org.uk, abgerufen am 27. November 2025
cite-note-1010. â Vor 70 Jahren â Die erste MilitĂ€rflugpost im Ăsterreichischen Luftfahrt-Archiv Ausgabe 4/84.
cite-note-1111. â Die Brief-FlĂŒge der Post sind Geschichte. Abgerufen am 2. November 2025.